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In Aker Brygge, dem modernen Restaurant- und Shoppingkomplex mit Blick auf die Bucht Pipervika und das 50er-Jahre-Rathaus (mit den zwei Türmen), ist am frühen Nachmittag schon viel los. Die einen naschen Softeis vom Kiosk, die anderen lassen sich mit Champagner und Langusten verwöhnen. Eine mitgebrachte Flasche Wasser reicht als Erfrischung aber auch, denn auf den hölzernen Stufen sitzt man bequem und kann das Treiben auf der Promenade prima kostenlos beobachten.

Unser Plan, mit dem Bus oder der Trikk (Straßenbahn) die nächsten Stadtteile zu erkunden, erweist sich schnell als überflüssig. Gerade beim ersten Besuch macht es einem die 580.000-Einwohner-Stadt leicht, ihre Schönheiten im entspannten Spaziergang zu entdecken. So schlendern wir gegen Abend entlang des Flüsschens Akerselva ins In-Viertel Grünerløkka. Rechts und links lagern Studenten am Ufer, wahlweise mit Laptop, aber eher noch mit Einmalgrill und Würstchen bewaffnet. Die Kiste Bier kühlt derweil angeleint im Fluss.

Der witzige Hund auf der Wiese vorm Design- und Architekturzentrum "DogA" hat dagegen wohl noch keine Leine gesehen. Dafür aber den Rasierer. Obwohl Herrchen lieber baldmöglichst den Hundefriseur wechseln sollte, hat der Kleine richtig Spaß. Er flitzt durch das Gras und ist blitzschnell der Star in seinem neuen Revier. Jeder versucht, ihn zu sich zu locken, das Mädchen auf der Schaukel, die Jungs von der Picknickdecke. Und auch zu uns kommt er schnuppernd an den Tisch, die wir bei einem Glas Rosé und einem Bier (für 18 Euro, das nur nebenbei) auf der Terrasse des „Elvebredden“ sitzen.


Samstag, 22.05.2010
Nur kein Stress: Frühstücken bis 10.30 Uhr im Hotel, Auschecken bis 12 Uhr. Und dann nur noch über die Straße gehen zum Taxistand. Bis zum Fährterminal ist es ja nicht weit. Dort stehen die Passagiere allerdings schon Schlange und warten ungeduldig, dass sie an Bord können.

13.45 Uhr. Juchhu, wir haben eine Außenkabine mit Tageslicht. Was für ein Unterschied zu unserer doch recht düsteren Innenkabine auf der Hinfahrt. Die 41 Euro Aufschlag sind das völlig andere Reisegefühl ohne Frage wert. Nun können wir durch ein großes rundes Fenster auf das Meer und die Küste sehen – vom Bett aus. Was für ein Luxus.

Abschied nehmen von Oslo, das uns gestern so einen schönen Tag beschert hat, wollen wir aber doch auf dem Sonnendeck. Immerhin scheint die Sonne, aber mit 1.995 Passagieren, die die Rückfahrt nach Kiel antreten, ist die M/S Color Magic doch um einiges voller als ihr Schwesterschiff auf der Hinfahrt. Jeder will heute Mittag den besten Platz an der Reling ergattern und muss dabei noch seinen Plastikbecher mit frisch gezapften Bier balancieren. Bier ist das absolute Lieblingsgetränk an Bord. Während wir oben auf Deck 13 noch der berühmten Skischanze Holmenkollen und den im Oslofjord vorbeiziehenden Inseln mit ihren bunten Sommerhäuschen zuwinken, plündern die ersten Reisenden schon die Dosenbiervorräte im Tax Free Supermarkt auf Deck 6.

Ob sie wissen, dass sie ein trauriger Abend erwartet? Beim Champions-League-Finalspiel Bayern München gegen Inter Mailand, das auf Großbildleinwand vorm Monkey Pub auf der Promenade übertragen wird, sind die meisten Männer jedenfalls ganz still. Kein Gejubel, kein Geschrei. Mit 0:2 unterliegen die Bayern schließlich, das kann so mancher nur mit Alkohol ertragen. Wir dagegen sind heute eher für Salzlakritz und dänische Kartoffelsnacks anfällig. Mit diesem Betthupferl verziehen wir uns aufs Zimmer.

Kann es sein, dass sich an Bord fast alles nur ums Essen, Trinken und Shoppen dreht? Ja.


Sonntag, 23.05.2010

Wie? Schon fast vorbei? Wir sind doch gerade erst losgefahren. Beim Frühstücksbüfett, dass auf dem Schiff bis 9.45 Uhr geöffnet ist, ziehen die Dörfer der Kieler Förde an uns vorbei. Strande, Schilksee, Laboe. Noch ein letzter Schluck aus der Teetasse und dann müssen wir auch schon unsere Taschen holen, denn plangemäß um Punkt 10 Uhr erreicht die M/S Color Magic den Norwegenkai. Dort wartet unser Auto auf dem Parkplatz, wir können es von der Gangway aus sehen. Gleich wird es uns wieder zurück nach Hause bringen, aufgeladen mit wertvollen Erinnerungen an einen erlebnisreichen Kurztrip.

Text: Petra Nickisch, Mai 2010
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch





Das Hotel

Zentral und freundlich. Das Clarion Hotel Royal Christiania wurde 1952 zu den Olympischen Winterspielen in Oslo eröffnet und ist heute Norwegens zweitgrößtes Hotel mit 508 Zimmern. Frisch nach Feng Shui Maßstäben renoviert wirkt es modern und klar. Zum Frühstücksbüfett mit großer Bioecke geht es ins offene Herz des Hauses, dem neun Etagen hohen Atrium.
www.royalchristiania.no



 
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